Anna Kainacher
Station 5 Liebfrauenkirche
Selbstbestimmte Erbin
»Die Braut, die sich nicht traut? – Nein, die Braut, die nicht will! Mein Vater Ulrich Kainacher hat mich knapp vor seinem Tod mit einem Mann verlobt. Ich kann den Herrn Vater verstehen: Er hinterlässt mir ein großes Erbe und will mich sicher wissen. Aber den Wolfgang Püchler mag ich trotzdem nicht!«Einen kaiserlichen Sekretär, dem man die Ehe versprochen hat, im Regen stehen zu lassen – das war im frühen 16. Jahrhundert ein Husarenstück! Anna Kainacher entzieht sich der geplanten Ehe durch ihre Flucht nach Passau. Sie ist eine kluge junge Frau. Passau liegt in Bayern, ist aber die für Freistadt zuständige Diözese, d.h. Verhandlungen über die Auflösung des Verlöbnisses sind auf diplomatischem Wege gut möglich.
In ihre Freiheit muss Anna eine Stange Geld investieren. Der zurückgewiesene Verlobte verhandelt eine hohe Sühnezahlung für seine beschädigte Ehre. Nach ihrer Rückkehr lässt sich die geflüchtete Braut vier Jahre Zeit, bevor sie schließlich den Mann ihrer Wahl heiratet.
Der Grabstein von Annas Vater befindet sich links vom Altar der Liebfrauenkirche.